Firenze 125

 Firenze 125 Motor zerlegt

Defekt mit Folgen

Kürzlich wurde ein Roller vom Typ Firenze 125 bei mir vorstelligder seinem Besitzer leider ohne Vorwarnung im Stich ließ und während der Fahrt den Dienst quittierte. Laut der Beschreibung ging er einfach aus und ließ sich nicht mehr starten.

 

Da Zweiräder eigentlich nicht so mein Revier sind, war ich zunächst nicht sehr begeistert davon überhaupt nach dem Fehler zu suchen. Wenn ich aber ganz ehrlich sein soll war es sicherlich auch der Gedanke, dass man hier eine Dauerbaustelle vor sich hat, die mangels Ersatzteilen und Unterlagen zum scheitern verurteilt war. Nach dem aber mehrere Zweiradwerkstätten die Reparatur verweigerten, ließ ich mich am Ende doch darauf ein und begann mit der Fehlersuche. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Neugier auf die asiatische Motorbaukunst überwog und Kapitulation keine Option ist.

 

Firenze?

 

Quelle: Ottoversand

 

Was genau ist überhaupt Firenze und woher kommt das Teil ? Wenn man den Namen Firenze bei google sucht, kommt erstmal nichts dabei heraus was auf einen Zweiradhersteller schließen lässt und so habe ich das Gefährt näher untersucht. Bei weiteren Recherchen habe ich schnell festgestellt, dass der italienisch anmutende Name, tatsächlich nur der Handelsname eines chinesischen Herstellers ist. Die Roller dieses Typs selbst werden in Deutschland über den Ottoversand verkauft und erhalten in Partnerwerkstätten eine Auslieferungsinspektion, bevor sie zum Kunden raus gehen. Der 4 Takt Motor scheint von der Firma Yiying hergestellt zu werden und leistet als 1 Zylinder 7,48 PS. Der Roller ist Baujahr(Erstzulassung) 2012 und hat zum Reparaturzeitpunkt knapp über 2000km gelaufen.

 

Beim drücken des Anlasserknopfes passierte zunächst mal gar nichts und so wollte ich schnell den Kickstarter nutzen, um den Motor zu starten. Da passierte allerdings gar nichts und der Kickstarter ließ sich höchstens 1cm nach unten treten. Was sollte das denn bitte? Ich dachte zunächst schon daran, dass der gesamte Motor festsitzt und befürchtete schon das Schlimmste. Also entschloss ich mich dazu erstmal die Sitzbank zu demontieren, um überhaugt etwas vom Motor sehen zu können und ev. den Anlasser einmal manuell zu bestromen.

 

Nachdem die Batterie inkl. der Sitzbank mit intergriertem Ablagefach demontiert war, konnte es los gehen und die Batterieanschlüsse wurden erstmal mit einem Überbrückungskabel an eine Stromversorgung angeschlossen. Beim drücken des Anlasserknopfes konnte man nun ein deutliches klicken des externen Anlasserrelais hören und eine Messung am Anlasser verriet, dass dort Spannung anlag. Also musste der Anlasser defekt sein und ich erklärte es mir so, das eine klemmender Anlasser den Motor blockierte. Also raus damit.

 

Nach dem relativ problemlosen Ausbau konnte man am Ritzel des Anlassers nichts verdächtiges sehen, wobei der Versuch die Welle zu drehen Böses offenbarte. Es knisterte ordentlich und nach einer halben Umdrehung war Schluß. Also baute ich den Anlasser koplett auseinander und staunte nicht schlecht was da heraus bröckelte. Der komplette Kommutator mit den Kohlen und allen Wicklungsanchlüssen war komplett zerbröselt, was allerdings nicht erklärte warum der Kickstarter immer noch blockierte.

Normalerweise müsste der doch eigentlich wieder frei drehen können, was noch mysteriöser wurde da man am Polrad den Motor leicht drehen konnte. Nun, ich wollte erstmal schauen wie es um die Ersatzteilversorgung bestellt war, bevor ich weitere Teile abschraubte und wurde positiv überrascht. Bei zahllosen Onlineportalen gab es die Teile sehr günstig und schnell lieferbar, weshalb ich den Anlasser noch am selben Abend bestellte. In der Verwendungsliste des Anlassers kann man übrigens auch bekannte Herstellernamen lesen, die scheinbar auch auf dieses Bauteil zurück greifen. Die Kosten liegen übrigens je nach Händler bei 20-25 Euro inkl. Versand.

 

Als das Bauteil 2 Tage später ankam, baute ich es umgehend ein und der Roller ließ sich problemlos starten. So weit, so gut. Bei laufendem Motor konnte man jedoch sporadisch füchterliche, schlagende Geräusche hören und ich stellte den Motor gleich wieder ab. Da es eigentlich nicht vom Motor selbst kommen konnte, der ja zwischen den Schlägen sauber lief, baute ich den Deckel der Variomatic ab und wollte mir den Kickstarter anschauen. Ich vermutete dass dort etwas hakt oder blockiert, was aber nicht der Fall war. Der Kurze Hub des Kickstarters konnte so allerdings durch einen falsch angebrachten Schweißpunkt erklärt werden, der am Ende der Verzahnung ein abfallen der Sichel verhindern sollte. So ähnlich haben es damals auch Automobilhersteller bei der Fensterhebermechanik gemacht, nur war der Schweißpunkt hier einfach viel zu weit in der Mitte. Eine Feile und das Schweißgerät konnten Abhilfe schaffen, so das der Kickstarter jetzt auch funktionierte. Das man das in der Werkstatt bei der Ablieferungsinspektion damals nicht bemerkt hatte, ist mir jedoch schleierhaft.

 

Da das ganze also schon soweit gekommen war, wollte ich den verbliebenden Fehler nun auch noch finden und zog erstmal den Ölpeilstab, um zu sehen wie es um das Öl bestellt war. Da der Stand ok war, ließ ich das Öl ab und untersuchte es auf etwaige Spähne oder ähnliche Hinweise. Zum Glück wurde ich dabei nicht fündig und so baute ich, in dem Wissen dass Ersatzteile beschaffbar waren, weiter Teile ab bzw. aus. Ein paar Verkleidungen, der Auspuff, Zündungsgeber und das Polrad mussten weichen und dann lag der Steuergehäusedeckel frei vor mir. Darunter musste sich der Krawallmacher befinden, der die Geräusche verursachte und die Antwort auf die Frage ob es eine noch größere Aktion wird. Also runter damit.

 Firenze 125 Anlasserfreilauf

Bei genauerer Betrachtung konnte ich die Freilaufkupplung des Anlassers als Fehlerquelle identifizieren, deren Schrauben einfach abgeschert waren und gelegentlich in den Löchern des Korbes hängen blieben. Damit war auch klar was dem Anlasser passiert war, denn der musste scheinbar durch die dauerhaft geschlossene Kupplung die Motordrehzahl mitdrehen. Wohlgemerkt wirkt sich dieses durch das Übersetzungsverhältnis noch dramatischer aus und das wird sehr deutlich wenn man die Ritzelgrößen zueinander sieht. Das wäre ja beim Pkw ähnlich ungesund und wenn man den Zahnkranz mit dem Anlasserritzel vergleicht, kann man sich leicht vorstellen was da passiert.

Ich löste also mit einem Hakenschlüssel die Mutter auf der Welle, die übrigens eine Linksgewinde besitzt, und zog die Kupplung inkl. des Nadellagers ab, um sie zu untersuchen. Hoffte ich anfangs noch nur die Schrauben ersetzen zu müssen, war nun klar dass auch die Gewinde in der Grundplatte ausgerissen waren, oder zumindest beschädigt. Ich bestellte also die Gehäusedichtung, das Kupplungspaket mit Lager, sowie die Mutter für insgesamt 28 Euro und erhielt die Teile 3 Tage später vollkommen problemlos. Die Montage war war sehr schnell erledigt, wobei ich allerdings sagen muss, das die Lieferzeiten des passenden Steckschlüssels für die Zentralmutter eine Katastrophe ist. Wer sich einen solchen bestellen will, darf volle 6 Wochen warten und so blieb ich bei meinen bewährten Hakenschlüsseln. Wer Drehmomente für den Anzug der einzelnen Muttern sucht, findet auch welche die sich allerdings alle widersprechen. Bevor ich das neue Kupplungspaket verbaute, wollte ich die Inbusschrauben, die ja das Unheil verursacht hatten, kontrollieren und musste feststellen das kein Inbusschlüssel herein passte. Man hatte sie scheinbar schon so fest angezogen, dass sich der Kopf im Innern verzogen hatte. Nun ja.

Der wieder zusammengebaute Motor wurde noch mit neuem Öl befüllt und anschließend gestartet. Das Problem war scheinbar behoben und es waren keine Geräusche mehr zu hören, was sich auch nach einer ausgiebigen Probefahrt nicht änderte. Eine kleine Verbesserung baute ich jedoch noch ein, denn der defekte Anlasser hatte mir doch einige Kopfschmerzen beschert, bzw. das fehlen von Sicherungen. Da die Batterie unter dem Deckel nicht schnell erreichbar ist und der alte Anlasser beim Testen durch die inneren Defekte stark schmorte, baute ich einen Batterietrennschalter und eine Sicherung für die Nebenverbraucher ein.

Fazit

Da ich kein Roller- Zweiradexperte bin und auch selten solche Fahrzeuge repariere, kann ich jetzt keinen Vergleich zu anderen Herstellern ziehen, finde jedoch den sofortigen Rückzug der Werkstätten merkwürdig. Ob es schlechte Erfahrungen sind weiß ich nicht, jedoch hatten zwei von Ihnen wohl Kaufangebote gemacht und wegen der Defekte 250-300 Euro geboten. Wer allerdings ähnliche Problem hat, sollte nicht gleich alles hinschmeißen und erstmal schauen wie die Lage ist, bevor man einen Panikverkauf macht. Der Besitzer kann sein Sommerspielzeug jedenfalls wieder nutzen und ich kann sagen, das ich zumindest was die Ersatzteilversorgung und Montage angeht positiv überrascht bin. Zur dauerhaften Haltbarkeit kann ich allerdings (noch) nicht viel sagen, aber mal abwarten.

Firenze 125 defekt

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