Schraubenausdreher

Wenn Schrauben abreißen...

So lange es Kraftfahrzeuge gibt, so lange gibt es wahrscheinlich auch Menschen die sich über abgerissene Schrauben ärgern und das beste Mittel suchen um sie wieder aus dem Gewinde heraus zu bekommen.

Im praktischen Betrieb haben sich eigentlich nur zwei Mittel wirklich etabliert, wobei beide an engen Stellen im Motorraum nur bedingt von Nutzen sind. Aber selbst wenn man perfekt an die Schadstelle heran kommt, braucht es natürlich das richtige Werkzeug um die unwillige Schraube zu entfernen. Natürlich gibt es auch den alten Schraubertrick einfach eine Torxnuss zu benutzen, was aber erstens der Nuss nicht wirklich gut tut und auch gerne mal die Lage verschlimmert. Wer schon mal Werkzeugstahl ausbohren musste wird mir da wohl beipflichten, denn der Bohrer wandert dann gerne seitlich in die weichere Schraube statt in den abgerissenen Torxeinsatz.

Leicht beschafft

 

Leicht beschafft sind die bekannten Linksausdreher die man aus fast jedem Baumarkt kennt und die durch ihren günstigen Preis zum Kauf verleiten. Die Sets in den verschiedenen Märkten unterscheiden sich kaum und bestehen in der Regel aus 5-6 Größen von Ausdrehern für die verschiedenen Gewindegrößen, wobei man zum Material äußerlich wenig sagen kann. Klar gezeigt hat sich allerdings das es auch hier lohnt von einem Markenhersteller zu kaufen, denn diese verwenden durchgehend besseres Material wie mein Test gezeigt hat. An einer Krümmerschraube eines Zylinderkopfes versagte z.B. der günstige Kanidat und quittierte mittels Bruch seinen Dienst, während sein etwas kostspieligeres Double unbeschadet funktionierte.

 

Etwas mehr Komfort

 

Eine weitere Möglichkeit die abgerissenen Schrauben zu entfernen, bieten die Sets der bekannten Werkzeughersteller mt Treibstiften. Diese Sets bestehen aus Bohrern, Zentrierhülsen, Passhülsen mit Schlüsselkopf und eben den Treibstiften.

 

Hat man also eine noch leicht aus dem Basisteil herausstehende Schraube, wird zunächst die Zentrierhülse aufgesetzt mit deren Hilfe man genau senkrecht die Mitte der Schraube treffen soll. Dieser Schritt ist natürlich immer sehr wichtig, denn bohrt man einmal außerhalb des Zentrums kann man schnell das Gewinde beschädigen und damit das Bauteil unbrauchbar machen. Das funktioniert allerdings auch nur in optimaler Arbeitslage und “aus der Hüfte heraus” kann man natürlich auch die Hülse mit kippen. In engen Bereichen wie im Motorraum ist dieses Hilfsmittel an noch montierten Baugruppen also ehr weniger hilfreich. Die Bohrer im Set sind an die Größe der Treibstifte angepasst und sollten daher pfleglich behandelt werden, denn nicht jeder hat z.B. einen 4,8mm Bohrer als Ersatz bereit liegen und ohne die genauen Maße bringt das Ganze leider gar nichts.

 

Wenn also mit oder ohne die Zentrierhülse die Bohrung angebracht wurde kann das Set erst richtig punkten, denn jetzt wird der Treibstift eingeschlagen. Dieser Stift hat an seiner Aussenseite Stege die sich beim Einschlagen in die Bohrung in der Seitenwandung einkeilen und den Stift somit verdrehsicher verankern. Ist der Stift gesetzt kann die Passhülse auf den Stift geschoben werden und dort greift diese ebenfalls auf die Stege, um das anschließende Ausdrehen mit einem Schraubenschlüssel zu ermöglichen.

Der wesentliche Unterschied ist hier ganz klar die Fläche auf die diese Methode wirkt. Der konische Linksausdreher kann nur auf einen sehr schmalen Ring am Anfang der Bohrung zugreifen und wird genau an dieser Stelle sehr stark belastet, während Stift und Hülse die Torsionskraft besser verteilen können. Die Schwachstelle dieses Systems ist allerdings dass sich der Treibstift verwinden kann, wenn der Kraftaufwand zu hoch wird.

 

Die Preisfrage

 

Zwei Möglichkeiten stehen zur Wahl und bei jeder davon gehen die Preise Herstellerabhängig auseinander. Bei den Linksausdrehern kann man den Preis nicht als Maßstab ansetzen und so kostete ein No-name Set das sehr schnell kaputt ging genau so viel wie das von Hazet. Eine große Überraschung erleben übrigens alle die ein solches Set zu sehr günstigen Preisen bei Amazon kaufen wollen, da dort der Preis verlockend niedrig ist. Der Unterschied liegt hier bei den kleineren Größen, denn bei dem Set aus dem Fachhandel sind alle Teile von Hazet, während das von Amazon scheinbar zusammen “gewürfelt” wurde. Drei der fünf Ausdreher tragen keine Herstellerkennung und waren auch qualitativ nicht vergleichbar. Ebenso wie ich haben diese Erfahrung scheinbar auch andere Käufer dort gemacht, was sich auch in den Rezensionen zeigt.

Davon sollte man also die Finger lassen. Für ein vernünftiges Set von Größe 1 bis 8 mit dem man lange arbeiten kann, sind allerdings schon ca. 30-35€ fällig und wie eben beschrieben sollte man hier wirklich auf den Fachhandel vertrauen.

 

Bei der der zweiten Möglichkeit liegt der Preis allgemein höher, da die Sets mehr beinhalten und die Hersteller sich das auch bezahlen lassen. Die Preisspanne geht hier von 85€ bis 120€ wobei, man sich hier wirklich fragen muss, woher der Unterschied eigentlich kommt. Die Sets von Stahlwille, von KS Tools sowie das von Hazet sind vollkommen identisch ausgestattet und haben sich alle gleich gut bewährt. Einzig die Bohrer des KS Tool Sets haben sich deutlich besser geschlagen als ihre Mitbewerber und zusammen mit dem Preis von 85€ ist es meiner Meinung nach die vernünftigste Wahl.

Fazit

 

Um es ganz klar zu sagen kann keines der Werkzeuge zaubern und vollkommen festsitzende, abgerissene Stehbolzen absolut mühelos entfernen. Das sollte klar sein. Für mich ist das Treibstiftsystem aber die bessere Wahl, da ich die Zentrierhülsen als Plus ansehe was das bohren der Löcher angeht. Dort wo man sie nicht benutzen kann oder ihr Einsatz unhandlich wird, kam ich auch mit den anderen Werkezeugen nicht weiter und musste die Bauteile sowieso komplett demontieren. Der Preis belastet die Werkstattkasse natürlich mehr als andere Lösungen, aber ingesamt ging die Arbeit damit flüssiger von der Hand was in der Praxis nicht unwichtig ist. Außerdem ist es ja kein Einwegartikel und kann vielfach wieder verwendet werden.

Stilkritik

 

Warum es selbst die sog. Premiumhersteller nicht hin bekommen, anständige Bohrer beizulegen kann ich nun wirklich nicht verstehen. Wenn also der Käufer eh bereit ist in ein professionelles Werkzeug zu investieren, sollte man auch vom Hersteller erwarten durchgehend solche Ware zu erhalten. Wer in eines der Sets investiert sollte sich gleich Ersatzbohrer dazu besorgen, denn irgendwann braucht man sie ja doch.

 

Zu dem etwas merkwürdigen Set aus dem Onlinehandel gibt es bis jetzt übrigens keine Stellungnahme.

 

Dort wo man mit Werkzeugen wie den hier vorgestellten nicht weiter kommt, hilft am Ende doch nur viel handwerkliches Geschick und noch mehr Werkzeug. Deshalb bleibt mit nur übrig euch viel Spass bei euren Projekten zu wünschen und dass ihr vor abgerissenen Schrauben bewahrt bleibt.

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Getriebe

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